Koscher durch das Jahr – Kapitel 9 – Trennung von milchigen und fleischigen Speisen

Datum: | Autor: Rav Schaul Wagschal SZL | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
fleischig

Das Tora-Verbot der Vermischung von milchigen und fleischigen Speisen enthält nach Auslegung unserer Weisen die drei folgenden Verbote:

(a) das tatsächliche gemeinsame Kochen von Fleisch und Milch.

(b) das Essen von milchigen und fleischigen Speisen, die zusammen gekocht wurden.

(c) Nutzen ziehen aus milchigen und fleischigen Speisen, die zusammen gekocht wurden.

Anmerkung:

1. Kochen in diesem Zusammenhang meint auch das Rösten, Braten, Dünsten und Backen.

2. In der Sprache der Kaschrut bedeutet milchig jede Art Milchprodukt, also Butter, Käse und jedes ihrer Derivate.

3. Fleischig ist jedes Produkt, welches Fleisch oder Fett von Lamm, Rind oder Geflügel enthält und jede Speise, welche mit irgendeinem Fleisch zusammen gekocht wurde.

Planung einer Küche

Wenn man eine koschere Küche plant, muss man dabei berücksichtigen, dass man eine milchige und eine fleischige Einrichtung benötigt. Getrennte Kochutensilien, Geschirr und Bestecke sind eine absolute Notwendigkeit. Diese müssen getrennt gespült werden, auf getrennte Abtropfgitter gesetzt und mit separaten Geschirrtüchern abgetrocknet werden. (Es hat sich eingebürgert, rote Geschirrtücher für fleischige und blaue für milchige Gegenstände zu verwenden.) Zusätzlich zu der getrennten Aufbewahrung milchiger und fleischiger Produkte und Geschirre in getrennten Schränken oder Regalen, muss man dem Spülbecken, der Abtropffläche und dem Kochbereich Aufmerksamkeit widmen, um Verwechslungen und Spritzer zu vermeiden.

Das Spülbecken

Eine Küche mit getrennten Spülbecken für milchige und fleischige Utensilien empfiehlt sich nicht nur aus Gründen der Kaschrut, sondern einfach wegen der Bequemlichkeit. Sind die Becken direkt nebeneinander angeordnet, wie dies bei einer doppelten Spüleneinheit der Fall ist, sollte man zum Abtrennen einen Spritzschutz aus Plastik oder Glas zwischen diesen anbringen. Gibt es nur ein Spülbecken, gilt dieses als trefah und man darf kein Geschirr darin abwaschen. Man nimmt dann separate Plastikschüsseln zum Geschirrspülen. Einige rabbinische Autoritäten erlauben, dass man milchiges und fleischiges Geschirr auf eine milchige respektive fleischige Matte in das Becken stellt und es unter laufendem heißen Wasser abspült.

Es muss darauf hingewiesen werden, dass Abwaschpulver und flüssige Konzentrate, welche tierische Fette enthalten, nicht zum Spülen des Geschirrs benutzt werden dürfen. Detergenzien (z.B. Pril o.ä.) enthalten normalerweise keine tierischen Fette.

Die Abtropffläche

Eine separate Abtropffläche auf jeder Seite des Spülbeckens ist sogar noch wichtiger, als separate Spülbecken. Wo sich dies nicht einrichten lässt, kann man die fest eingebaute Abtropffläche entweder für milchiges oder für fleischiges Geschirr reservieren. Man benutzt für das entgegengesetzte Geschirr eine transportable, nicht durchlässige Abtropffläche aus Holz oder Plastik, welche man bei Bedarf auf erstere stellt. Man kann stattdessen auch ein weiches Plastiktuch nehmen und damit die Abtropffläche abdecken. Dann muss man nur darauf achten, die Oberseite zu kennzeichnen, damit man das Tuch immer richtig herum auflegt.

Das Händewaschen

Wenn man bei der Arbeit von milchigen zu fleischigen Speisen wechselt, oder umgekehrt, muss man sich die Hände waschen. Auch nicht-jüdisches Küchenpersonal muss dementsprechend angewiesen werden.

Die Kochstelle

Die „Hauptschlacht“ zwischen milchigen und fleischigen Speisen spielt sich auf der Kochstelle ab, wo aus Töpfen mit kochenden Speisen jederzeit etwas überlaufen oder Dampf austreten kann. Vorsichtsmaßnahmen sind unerlässlich, da auch ein einziger Tropfen Milch, der auf die Außenseite eines fleischigen heißen Topfes spritzt, diesen dadurch trefah machen würde. Es obliegt der geschäftigen Hausfrau, hier für „Frieden“ zu sorgen, indem sie den geringsten Kontakt zwischen beiden Dingen vermeidet. Theoretisch ist dies möglich; aber das läutende Telefon richtet sich nicht nach der Theorie. Bis die Hausfrau das Telefonat beendet hat und sich nun wieder mit den kochenden Speisen befassen kann, ist das Malheur schon eingetreten.

Lösungen

Die Ideallösung für dieses Problem sind zwei Kochstellen. Die Benutzung eines kleinen tragbaren Gas- oder Elektrokochers für milchige und einer regulären Kochstelle für fleischige Gerichte wäre eine zweckmäßige Lösung. Dies ist auch in zahlreichen Haushalten die übliche Praxis.

Wo es keine zwei Kochstellen gibt, können folgende Vorsichtsmaßregeln eine gute Hilfestellung geben, versehentliche Kontakte zwischen milchigen und fleischigen Gerichten und Küchenutensilien zu vermeiden:

(a) Milchige und fleischige Gerichte sollten nicht auf der selben Herdplatte gekochte werden.

(b) Milchiges und Fleischiges sollte nicht zu gleicher Zeit gekocht werden. Wenn sich das Eine in Arbeit befindet, sollte man die Töpfe und Pfannen des Anderen vom Herd nehmen.

(c) Wenn milchige und Fleischige Speisen zu gleicher Zeit gekocht werden müssen, sollte man sie zweckmäßigerweise durch eine aufrecht stehende Alufolie oder ein anderweitiges feuerfestes Material voneinander trennen. Es ist ratsam, einen solchen Spritzschutz auch dann anzubringen, wenn nur eine Sorte Gerichte zubereitet werden, insbesondere, wenn leere Töpfe auf dem Herd stehen, seien es solche der anderen Sorte oder parwe.

(d) Wenn man einen Topfdeckel hochnimmt, sollte man darauf achten, ihn nicht über Töpfe oder Pfannen der anderen Sorte oder über parwe Utensilien zu halten, damit keine Tropfen herabfallen können.

(e) Wenn man etwas in einen Topf mit kochender Flüssigkeit hineingibt, so sollte dies so vorsichtig geschehen, dass nichts hoch spritzt und möglicherweise auf einem Gerät der gegengesetzten Sorte landet.

(f) Hat man milchige oder fleischige Speisen gebraten, etwa Eier in Butter oder Fleisch in Öl, muss man die Oberfläche des Herdes sauber wischen, weil Fett und Öl beim Braten spritzen.

(g) Wenn irgend etwas Milchiges auf den Teil des Herdes gespritzt ist, der für fleischiges Kochen benutzt wird, muss man diesen Teil sauber wischen, bevor man einen fleischigen oder parwen Topf darauf stellt. Dasselbe gilt natürlich auch anders herum.

(h) Wenn man einen Wasserkessel an Erew Schabbat aufheizt, muss man ihn weit genug von den fleischigen Töpfen aufstellen um fleischige Spritzer zu vermeiden. Hierfür ist der bei (c) erwähnte Spritzschutz ideal.

Der Backofen

(a) Ein gewöhnlicher Backofen ist ein umschlossener Bereich. Daher darf man milchige und fleischige Speisen nicht zur selben Zeit darin kochen, da die Gerüche einander durchdringen würden.

(b) Alles milchige und fleischige Kochen und Braten muss in geschlossenen Töpfen erfolgen, so dass sich kein Dampf an den Innenwänden des Ofens niederschlagen kann und nichts überspritzt. In einigen Kreisen ist es üblich, immer 24 Stunden verstreichen zu lassen, bevor man den Ofen nach milchigen Speisen für fleischige benutzt, und umgekehrt.

(c) Die Ofenbleche, auf welche man die Töpfe und Backformen stellt, müssen sauber gehalten werden. Alle milchigen oder fleischigen Spritzer müssen abgewischt werden, sobald man diese bemerkt. Es ist ratsam, separate Ofenbleche für milchige, fleischige und parwe Speisen zu verwenden. Dies weil es schwierig ist, jene stets ausreichend sauber zu halten.

Einen fleischigen Backofen für milchig herrichten

Hat man nicht die Gewohnheit, fleischige Töpfe abzudecken, wenn man sie im Backofen benutzt, gilt dieser wegen des Dampfes als fleischig. Möchte man ihn für milchiges Backen oder Kochen herrichten, z.B. vor Schawuot, muss man folgende Maßnahmen ergreifen:

1.) man reinigt die Ofenbleche, die Innenwände und das Dach des Backofens.

2.) man erhitzt den Ofen für etwa 20 Minuten auf maximale Temperatur.

Hält man alle milchigen oder fleischigen Töpfe oder Backformen beim Backen geschlossen, z.B. mit Alufolie, reicht es, die Backbleche zu säubern. Sonst bedarf es keiner weiteren Maßnahmen.

Wartezeit zwischen milchigen und fleischigen Speisen

Die Notwendigkeit zu warten

Milchige und fleischige Speisen dürfen nicht zu gleicher Zeit gegessen werden. Möchte man milchige Speisen nach fleischigen essen, oder umgekehrt, muss der Mund von allen Resten der vorherigen Mahlzeit gereinigt sein und es darf nichts mehr zwischen den Zähnen stecken.

Die Zeitspanne, die verstreichen muss, bis der Mund wieder rein ist, schwankt beträchtlich, je nach dem, was man gegessen hat.

Warten nach einer fleischigen Mahlzeit

Man muss eine bestimmte Zeit verstreichen lassen, ehe man milchige Speisen nach dem Verzehr einer fleischigen Mahlzeit essen darf. Man unterstellt, dass nach Ablauf dieser Zeit der Mund wieder frei von Fleisch und allen fleischigen Wahrnehmungen ist.

Als Wartezeit nach einer fleischigen Mahlzeit gilt die Frist von sechs Stunden als allgemein akzeptiert. In Deutschland und in einigen seiner Nachbarländer wartet man jedoch nur drei Stunden und in Holland eine Stunde.

Die Wartezeit zählt von dem Moment an, wo die letzte fleischige Speise verzehrt wurde. Auch wenn die eigentliche Mahlzeit noch nicht beendet war. Wenn man jedoch nach dem Verzehr fleischiger Speisen die Mahlzeit in Etappen mit nicht-fleischigen Speisen fortsetzt, ohne das Tischgebet gesprochen zu haben und sechs Stunden (oder drei oder eine, entsprechend dem Minhag, siehe oben) verstrichen sind, muss man zunächst benschen, bevor man milchige Speisen essen darf. Diese Anordnung leitet sich aus dem Din ab, dass fleischige und milchige Speisen nicht zusammen während einer Mahlzeit gegessen werden dürfen.

Fleisch, das zwischen den Zähnen sitzt

Fleischreste, die man nach der erforderlichen Wartezeit zwischen den Zähnen findet, müssen durch eine Mundreinigung und den Verzehr einer festen Speisen entfernt werden. Es gibt keine besondere Regel, welche dieser beiden Maßnahmen als erste erfolgen muss.

Das Kauen fleischiger Speisen

Wenn man etwas Fleischiges gekaut, aber nicht heruntergeschluckt hat, muss man mindestens eine Stunde warten und sodann den Mund in der oben beschriebenen Weise säubern. Nach anderer Meinung ist jedoch auch in diesem Fall die volle Wartezeit von drei oder sechs Stunden erforderlich.

Abschmecken fleischiger Speisen

Wenn man fleischige Speisen lediglich abschmeckt und diese weder kaut noch herunterschluckt, muss man keine besondere Wartezeit beachten, jedoch muss man den Mund reinigen wie oben beschrieben.

Wartezeit nach milchigen Speisen

Nach milchigen Speisen oder Getränken, Weichkäse oder Butter ist keine besondere Wartezeit erforderlich. Bevor man fleischige Speisen verzehrt, man muss jedoch Hände und Mund reinigen. Den Mund reinigt man, indem man ihn spült oder etwas trinkt sowie eine feste Speise verzehrt. Manche warten nach dem Verzehr milchiger Speisen jedoch eine halbe Stunde.

Einige pflegen in derselben Mahlzeit keine fleischigen Speisen nach milchigen zu verzehren. Man muss zunächst benschen oder eine Berachah acharonah sprechen und darf erst nach der Reinigung von Mund und Händen mit der fleischigen Mahlzeit fortfahren.

Wartezeit nach Hartkäse

Nach Hartkäse muss man die gleiche Wartezeit einhalten, welche man nach fleischigen Speisen vor dem Verzehr milchiger Speisen beachtet, d.h. sechs, drei oder eine Stunde, entsprechend dem Minhag.

Brot, das mit Milch gebacken wurde

Es ist nicht zulässig, große Mengen Brot mit Milch oder Butter zu backen. Dies damit es nicht versehentlich zu einer fleischigen Mahlzeit gegessen wird. Eine Ausnahme kann gemacht werden, wenn die Form des milchigen Brotes sich von der des gewöhnlichen Brotes deutlich unterscheidet. Oder wenn man nur kleine Mengen gebacken hat, also nicht mehr, als man bei einer Mahlzeit verzehren würde.

Parwe Speisen, welche in einem fleischigen oder milchigen Topf gekocht wurden

Auch wenn parwe Speisen, die in einem milchigen oder fleischigen Topf gekocht wurden, als milchig, resp. fleischig zu gelten haben, braucht man nach deren Verzehr keine Wartezeit einzuhalten. Wenn man etwas Fleischiges gegessen hat, darf man eine parwe Speise essen, welche in einem milchigen Topf gekocht wurde. Dementsprechend kann man nach einer parwen Speise, die in einem fleischigen Topf gekocht wurde, ohne Wartezeit sofort etwas Milchiges essen.

Fortsetzung folgt ijH

  1. Mit ausdrücklicher Genehmigung der Familie des Verfassers und des Übersetzers und Copyrightbesitzers der deutschen Ausgabe Ulrich Michael Lohse.

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