Jüdische Geschichte in Tanach – Joschua – Der Zug durch den Jarden

Datum: | Autor: Rabbi Ludwig Stern | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
Jarden
von Ludwig Stern, ehem. Direktor der jüdischen Schule in Würzburg
nachbearbeitet von Selig Schachnowitz
Wir beginnen mit der Publikation der Serie über die jüdische Geschichte, beginnend mit der Zeit der Newiim (Propheten), die nach dem Tod von Mosche Rabenu anfängt. Diese Darstellung ist etwas trocken, aber prägnant und inhaltsreich – Red.

Die Kundschafter in Jericho

1. Joschuas Amtsantritt.

Nach dem Tode Mosche’s sprach G-tt zu Joschua: „Mein Knecht Mosche ist gestorben; mache dich nun auf, und ziehe mit dem Volke über den Jarden in das Land, das ich ihm geben werde. Sei stark und fest, und handle genau nach der Lehre meines Knechtes Mosche; weiche davon nicht ab weder nach rechts noch nach links. Das Buch dieser Lehre weiche niemals aus deinem Munde; sinne darüber bei Tag und Nacht, dann wird dir dein Vorhaben gelingen, und du wirst weise handeln.“

2. Vorbereitungen zum Einzuge in das Land.

Joschua gebot dann dem Volke: „Bereitet euch Mundvorrat vor, denn in drei Tagen werdet ihr über den Jarden ziehen.“ Zu den Stämmen Re’uwen und Gad und zu dem halben Stamm Menasche sprach Joschua: „Seid dessen eingedenk, was euch Mosche, der Knecht G-ttes, befohlen hat. Eure Frauen und Kinder sollen in dem Lande bleiben, das euch Mosche gegeben hat. Ihr aber sollt gerüstet vor euren Brüdern einherziehen und ihnen beistehen.“ Da antworteten sie: „Was du uns befohlen hast, werden wir tun, und wohin du uns senden wirst, werden wir gehen; wie wir Mosche gehorcht haben, werden wir auch dir gehorchen. Möge nur G-tt immer mit dir sein, wie er mit Mosche gewesen ist.“

3. Die Aussendung und Errettung der Kundschafter.

Nun schickte Joschua Kundschafter nach der Stadt Jericho. Sie kehrten in dem Hause der Gastwirtin Rachab ein und übernachteten dort. Als das der König von Jericho erfuhr, schickte er zu Rachab und ließ ihr sagen: „Gib die Männer heraus, die in dein Haus gekommen sind, denn sie wollen das Land auskundschaften.“ Rachab antwortete den Boten des Königs: „Es sind allerdings fremde Männer hier gewesen, aber ich wusste nicht, woher sie kamen. Gegen Abend, als gerade das Stadttor geschlossen wurde, sind sie wieder fortgegangen. Jaget ihnen eiligst nach, dann werdet ihr sie noch einholen.“

Rachab hatte aber die Männer auf dem Dache unter Flachsstengeln versteckt. Als die Boten des Königs sich entfernt hatten, ging sie hinauf zu den Kundschaftern und sprach zu ihnen: „Ich weiss, dass G-tt euch dieses Land gegeben hat und dass alle Einwohner sich vor euch fürchten; denn euer G-tt ist G-tt im Himmel oben und unten auf der Erde. Schwört mir, dass ihr mich und meine Familie am Leben lassen wollet, wenn ihr die Stadt erobert, so will ich euch jetzt retten.“ Die Männer schwuren ihr; sie ließ sie dann mit einem Seil durch das Fenster hinunter, denn sie wohnte an der Stadtmauer. Die Kundschafter sprachen zu Rachab: „An dieses Fenster binde eine rote Schnur, damit wir das Haus wieder erkennen; versammle alle deine Angehörigen bei dir im Hause, denn nur dann können wir sie retten. Wer dein Haus verlässt, an dessen Blut sind wir unschuldig.“

Die Kundschafter kehrten nun zu Joschua zurück und erzählten ihm alles, was ihnen begegnet war, und dass die Einwohner des Landes voller Furcht vor Israel seien.

Der Zug durch den Jarden

1. Die Überschreitung des Jardens.

Nun machte sich Joschua früh auf und zog mit dem Volke bis an den Jarden; dort übernachteten sie. Am Morgen sprach Joschua zu den Priestern: „Traget die Bundeslade G-ttes, und ziehet vor dem Volke einher.“ Als die Priester mit der Bundeslade an den Jarden kamen und ihre Füße kaum in das Wasser getaucht hatten, da blieb das von oben herabfliessende Wasser wie eine Mauer stehen; das gegen das Salzmeer fliessende Wasser aber verlief sich ganz, so dass das Volk hinüberziehen konnte. Die Priester blieben mitten im Jarden auf festem Boden stehen, bis alles Volk trockenen Fußes hindurchgezogen war. Als die Priester dann aus dem Jarden heraufstiegen und ihre Füße kaum auf das Trockene gesetzt hatten, floss das Wasser wieder wie vorher.

Joschua errichtete zwölf Steine mitten im Jarden auf der Stelle, wo die Priester gestanden hatten. Zwölf andere Steine ließ er aus dem Jarden herausnehmen und in Gilgal als Denkmal aufstellen, um die Nachkommen daran zu erinnern, dass Israel trocken durch den Jarden gegangen, wie einst durchs Meer, und damit alle Völker auf Erden erkennen sollen, dass die Macht G-ttes gross ist.

2. Das Pessachfest in Gilgal.

Die Kinder Israel gingen am zehnten Tage des ersten Monats durch den Jarden. In Gilgal schlugen sie ihr erstes Lager auf. Dort wurden alle, die während der Wanderung durch die Wüste geboren waren, in den Abrahamsbund aufgenommen. Dann feierten sie das Pessachfest. Am folgenden Tage hörte das Man auf, und das Volk ernährte sich jetzt von dem Getreide des Landes.

Gilgal
Gilgal

Die Einnahme von Jericho. Achans Untreue.

1. Die Eroberung Jerichos.

Jericho, die erste Stadt, die Israel einnehmen musste, war fest verschlossen; niemand konnte heraus- oder hineinkommen. Da befahl G-tt Joschua:

Ziehet sechs Tage lang mit der Bundeslade um die Stadt, jeden Tag einmal. Vor der Bundeslade her sollen sieben Priester ziehen und in die Posaune stoßen, und alle Kriegsleute sollen die Bundeslade begleiten. Am siebenten Tage sollt ihr die Stadt auf diese Weise siebenmal umziehen. Wenn dann die Posaune anhaltend ertönt, soll das Volk ein Kriegsgeschrei erheben; dann werden die Stadtmauern einfallen.“ Als die Priester am siebenten Tage die Stadt siebenmal umzogen hatten, erhob das Volk auf Joschuas Befehl ein Kriegsgeschrei; da fielen die Mauern der Stadt ein.

Jericho heute
Jericho heute

2. Die Zerstörung Jerichos.

Das Volk zog nun in die Stadt, eroberte sie und brannte sie nieder. Alle Einwohner wurden getötet, nur Rachab und ihre Angehörigen wurden gerettet. Alles Gold, Silber, Kupfer und Eisen wurde in den Schatz des G-tteshauses gebracht; niemand durfte etwas für sich behalten.

Damals sprach Joschua den Schwur aus: „Verflucht sei derjenige vor G-tt, der diese Stadt wiederum erbaut; mit Verlust seines Erstgeborenen soll er den Grund legen, und mit dem Tode seines Jüngsten soll er die Tore einsetzen.“

3. Die Niederlage Israels vor Ai.

Ein Teil des Volkes zog nun gegen die Stadt Ai; aber die Kinder Israel mussten fliehen, und es fielen 36 Mann von ihnen. Da zerriss Joschua seine Kleider, warf sich vor G-tt nieder und sprach: Wehe, Herr und G-tt! Warum hast du uns über den Jarden geführt, dass wir in die Hand der Emoriter fallen und vernichtet werden ?“ Da antwortet G-tt: „Die Kinder Israel haben gesündigt und meinen Bund Übertreten; sie haben von der Beute gestohlen und in ihren Zelten versteckt; so können sie vor ihren Feinden nicht bestehen.“

4. Achans Diebstahl.

Am andern Tage ließ Joschua auf G-ttes Befehl ganz Israel vor G-tt hintreten, um zu erfahren, wer der Dieb sei; Achan aus dem Stamm Juda wurde als der Dieb erkannt. Da sprach Joschua zu ihm: „Mein Sohn! Tue dem G-tte Israels Ehre an, und lege ihm ein Bekenntnis ab; leugne mir nicht, was du getan hast.“ Da antwortete Achan: „Wahrlich! Ich habe gegen den G-tt Israels gesündigt. Ich sah einen Mantel und Silber und Gold. Da gelüstete mich nach diesen Dingen; ich nahm sie und versteckte sie in meinem Zelte.“ Achan wurde hierauf gesteinigt, seine Habe wurde gesteinigt oder verbrannt. Dann liess G-tt von seinem Zorne ab und sprach zu Joschua: „Fürchte dich nicht, ich habe Ai und seinen König in deine Hand gegeben.“ Das Volk zog nun wieder gegen Ai; die Stadt wurde erobert und verbrannt, und alle ihre Einwohner und ihr König wurden getötet.

Fortsetzung folgt ijH

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT