Wochenabschnitt Schlach – Ich habe verziehen nach deinem Wort

Datum: | Autor: Rav Schimschon Raphael Hirsch | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
verzeihen
Bearbeitet von Dr. Ari Lewenstein und erschienen im Buch „Glanzlichter der Tora – Meore Hassar“.

יד (כ) וַיֹּאמֶר ה‘ סָלַחְתִּי כִּדְבָרֶךָ:
Kap. 14,20: Da sprach G-tt: Ich habe verziehen nach deinem Wort.

Die Frage: Ist die Bedeutung von diesem Passuk, dass G-tt aufgrund von Mosches Worten Seinen Sinn änderte? Dies wäre schwer verständlich, waren doch Mosches Argumente G-tt von Anfang an bekannt; wenn diese berechtigt waren, weshalb brauchte es dann für die Verzeihung Mosches Worte?

Wenn aber Mosches Worte für eine Verzeihung nicht notwendig waren, weshalb sagt G-tt: סָלַחְתִּי כִּדְבָרֶךָ?

Der Passuk ist aber wie folgt zu verstehen: G-tt sagt zu Mosche: Ich habe bereits von Vornherein aus denselben Beweggründen, die du vorgebracht hast, ihre Verzeihung beschlossen. Weshalb dann die Ankündigung ihrer Vernichtung? G-tt hatte[1] nur angekündigt, was der Abfall des Volkes eigentlich erfordern würde, wenn nicht äußere Gründe zur Rücksichtnahme existieren. Er wollte damit Mosche die Gelegenheit geben, aufgrund von dessen Einsicht der G-ttlichen Waltung, die Argumente zur Verschonung zu finden und G-ttes Wege der Güte anzurufen. Damit wurde Mosche gegenüber bestätigt, dass er mit seiner Einsicht der Einsicht G-ttes entgegenkommt. Mosche erfuhr hier, dass er die Führung der י“ג מדות, die ihn G-tt nach dem Egel zur Einsicht in Seine Wege lehrte, verstanden hatte und zum Wohl von Jisrael anwenden konnte und sollte.

Zugleich sollte deutlich werden, welche עֲנָוָה, Bescheidenheit, Mosche bewies als Ihn G-tt als neuen Awraham auswählen, und mit ihm ein neues Volk bilden wollte. Kein Tropfen Bitterkeit war in Mosche gegen das Volk, dessen unberechtigte Empörung ja zuerst ihm gegolten hatte. Auch die Aussicht, Stammvater eines neuen, besseren Volkes zu werden, war nicht einen Moment lang ein Grund, die Fürbitte für das Volk zu unterlassen.

Die beiden Eigenschaften gehören untrennbar zusammen.

Nur wer von absoluter Bescheidenheit und damit von ebenso absoluter Objektivität ist, dass keinerlei Subjektives seine Urteilskraft beeinflussen könnte, nur so ein Mensch kann die Wege G-ttes erfassen und mit seiner Einsicht G-ttes Einsicht entgegenkommen. So weit, dass G-tt sagen kann: Ich habe verziehen nach deinen Worten, aus denselben Gründen die du genannt hast – du hast Meine Wege erfasst. Dies ist wohl eine der höchsten Stufen, die ein Mensch erreichen kann, dass G-tt ihm bestätigt, dass seine Denkweise, seine Anschauungen, denjenigen des Schöpfers entgegenkommen, ja entsprechen. Welcher Segen für ein Volk, einen solchen Führer, einen solchen Lehrer und einen solchen Fürsprecher zu haben!

סלחתי: סלח ist verwandt mit צלח und שלח .שלח heißt, etwas auf ein Ziel zu in Bewegung setzen. Der צ-Laut ersetzt das ש von שלח und bringt in das Wort die Bedeutung: mit Überwindung aller im Weg stehenden Hindernisse zu einem Ziel gelangen: צלח, davon הצלחה: etwas glücklich zum Ziel gelangen lassen. סלח, verzeihen ist ebenfalls damit verwandt. Der schuldbeladene Mensch verdient, in seinem Lebenslauf gehemmt zu werden. סלח heißt, diesem Menschen trotzdem ein Fortschreiten zu einer neuen Zukunft zu erlauben, d.h. zu verzeihen. Durch die Versündigung des Volkes war sein ganzes Fortschreiten in die Zukunft gehemmt. Es gab keine Zukunft mehr. G-ttes Milde (סלחתי) ermöglicht dem Volk erneut ein Fortschreiten in die Zukunft.

  1. Passuk 12

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