Wochenabschnitt Bamidbar – Die Söhne Levis werden ab dem Alter von einem Monat gezählt – weshalb?

Datum: | Autor: Rav Schimschon Raphael Hirsch | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
Alter
Bearbeitet von Dr. Ari Lewenstein und erschienen im Buch „Glanzlichter der Tora – Meore Hassar“.

ג,יד-טו {יד} וַיְדַבֵּר יי אֶל מֹשֶׁה בְּמִדְבַּר סִינַי לֵאמֹר: {טו} פְּקֹד אֶת בְּנֵי לֵוִי לְבֵית אֲבֹתָם לְמִשְׁפְּחֹתָם כָּל זָכָר מִבֶּן חֹדֶשׁ וָמַעְלָה תִּפְקְדֵם:

Kap. 3,14-15: G-tt sprach zu Mosche in der Wüste Sinai (14): Zähle die Söhne Levis nach dem Haus ihrer Väter nach ihren Familien; jeden Männlichen vom zurückgelegten [ersten] Monat aufwärts zählst du sıe (15).

Die Söhne Levis werden ab dem Alter von einem Monat gezählt – weshalb?

Bisher war das Mindestalter der Gezählten zwanzig Jahre. Die Söhne Levis werden aber schon ab einem Monat nach der Geburt gezählt, sobald die notwendige Zeit zum Nachweis der Lebensfähigkeit erreicht ist (30 Tage). Weshalb?

Damit ist wohl einmal erwiesen, dass die Bestimmung der Lewiim weit über den bloßen Wachdienst im Heiligtum hinausgeht. Zudem werden sie für diesen nochmals besonders gezählt (Kapitel 4), und zwar erst vom dreißigsten Jahr aufwärts. Die Zählung vom Kindesalter an muss deshalb eine Bedeutung haben, die über den Wachdienst hinausgeht. Die Levijim hatten aber zwei bedeutende zusätzliche Aufgaben, für welche eine frühzeitige Erziehung notwendig war.

Der Stamm Levi soll ja nicht nur Hüter und Wächter der aus Holz, Gold und Silber hergestellten Wohnung des Gesetzeszeugnisses (עֵדוּת) sein, sondern Wächter, Lehrer und Beschützer des Gesetzes selber (siehe Dewarim 33,9-11). Diese Bestimmung der Lewiim ist für sie und für ganz Jisrael ebenso wichtig, wie der konkrete Wachdienst im Heiligtum.

Für diese Aufgabe im Volk muss aber das Levi-Kind vom ersten Moment seines Lebens an erzogen werden.

Es gab einen weiteren Dienst der Leviim, der im Namen G-ttes und geradezu mit dem Namen G-ttes zu vollziehen war. In Dewarim 18,7 heisst es vom Dienst der any: Ya ’n oWa nwi er soll dienen mit dem Namen seines G-ttes und die Erläuterung dazu lautet (Arachin 11a): וְשֵׁרֵת בְּשֵׁם ה‘ אֱלֹקָיו, welcher Dienst wird im Namen G-ttes und mit dem Namen G-ttes vollbracht? הֱוֵי אוֹמֵר זֶה שִׁירָה ist dies kein anderer als der Gesang. Damit ist das G-ttbegeisterte Lied gemeint, mit welchem die Lewiim die Korbanot Zibbur, die Nationalopfer, im Tempel zu begleiten hatten.

Die in G-ttesbegeisterung verfassten Lieder von David, Assaf und den Söhnen Korachs, die aus dem Munde der Lewiim zu den Opfern gesungen wurden, sind ein wahrhafter „ı awa nW. Der Sänger spricht im Namen G-ttes. Er spricht das, was G-tt selbst zu uns sprechen würde, hätte Er nicht den Sänger als Sein Organ gewählt, dessen Geist geweckt und Sein Wort auf seine Zunge gelegt.

König David spricht, zurückblickend auf sein Sängerleben: רוּחַ ה‘ דִּבֶּר בִּי וּמִלָּתוֹ עַל לְשׁוֹנִי (Samuel II, 23,1-2). Es ist zudem der Name G-ttes, den der Sänger verkündet, denn seine Worte tun nichts anderes als alle Dinge dieser Welt aus der Sicht G-ttes anzuschauen und diese Sicht zu besingen. Zu diesem Sängerdienst war aber auch schon der Levi-Knabe zur Mitwirkung zugelassen: אֵין הַקָּטָן נִכְנָס לָעֲבוֹדָה אֶלָּא בְּשָׁעָה שֶׁהַלְּוִיִּם אוֹמְרִים בַּשִּׁיר (Arachin 13b). Dass zu diesem hohen Dienste im Namen G-ttes eine Erziehung vom zartesten Kindesalter notwendig war, ist mehr als verständlich.

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