So wie im Himmel, so auf der Erde – Teil 8 – Das G-ttliche Ebenbild

Datum: | Autor: Rabbi Ezriel Tauber SZl | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
Ebenbild
Rabbi Ezriel Tauber SZl – L’ilui nischmat Hamechaber
Fortsetzung

Das G-ttliche Ebenbild

Inhalt:

  • Die Schöpfung des Menschen
  • Ein menschliches Geschöpf als Baum
  • Das höhere Ziel des menschlichen Lebens
  • Was es bedeutet, G-tt zu dienen
  • Die Bedeutung von Israel
  • Partner G-ttes
  • Wie Awrohom das Potenzial verkörpern konnte, das Adam nie erreichte.

Alles in der Tora bezweckt, uns etwas Wichtiges zu lehren. Die Tora erzählt uns, dass G-tt am dritten Tag der Schöpfung die Bäume und die Vegetation schuf. Welche wichtige Bedeutung hat diese Information? Der Schlüssel zur Antwort auf diese Frage wird später gegeben, wenn die Tora das menschliche Wesen “einen Baum im Feld“ nennt.

Eine der tieferen Bedeutungen der Erzählung der Schaffung der Bäume ist, uns den Aufbau des menschlichen Wesens zu lehren. Ein Mensch ist ein Baum. Ein Baum ist ein Baumstamm aus Holz mit Wurzeln in der Erde, die Mineralien aufnehmen, um sie in eine Frucht zu verwandeln. So ist auch der Mensch. Wir sind ein Stück Himmel – eine Seele – verwurzelt wie ein Baumstamm – ein Körper in der Erde, dessen Aufgabe es ist, Kraft aus den irdischen, geistigen „Mineralien“ zu schöpfen, um Früchte hoch oben in den Zweigen zu produzieren. Das heißt, dass wir hier sind, um die physischen Aspekte unserer materiellen Existenz in geistige Produkte umzuwandeln.

Die Tora sagt uns deshalb, dass wir ein physisches Leben führen sollen – essen, heiraten, arbeiten, eine Familie aufbauen etc. Dies ist keine Konzession an die menschliche Natur; es ist vielmehr das Mittel, mit dem wir unseren Zweck hier erfüllen: die irdische, physische und menschliche Existenz und Erfahrung in eine Reihe von himmlischen Taten (unsere Früchte) zu verwandeln.

Wir sind wirklich „Bäume des Feldes“.

Die tiefere Lehre des dritten Tages ist, dass wir himmlische, in der Erde verwurzelte Seelen sind, mit dem Ziel, Irdisches in Himmlisches umzuwandeln. So wie im Himmel, so auf der Erde. Diese Lehre wird noch deutlicher, wenn wir die Pessukim der Schöpfung des Menschens analysieren.

Das fünfte Element

Der Schöpfer hat die Welt in Phasen erschaffen. Er begann mit leblosen Objekten (zweiter Tag), schuf dann die Vegetation (dritter Tag), danach tierisches Leben (vierter und fünfter Tag) und schließlich den Menschen. (In Hebräisch: Domem, Zomeach, Chai, Medaber).

In diesem Schema ist der Mensch die höchste Komponente der Schöpfung. Rabbi Jehuda HaLevi, der Autor des Kusari, fügt aber eine weitere Komponente dazu: Jisrael, das G-tt dient.

Eigentlich wird diese fünfte Komponente nicht ausdrücklich am sechsten Tag der Schöpfung erwähnt, weil Israel nicht automatisch das fünfte Element durch die Schöpfung war. G-tt gab vielmehr der Menschheit, dem vierten Element, die Gelegenheit, sich selbst ins fünfte Element zu befördern. Niemandem sonst in der Schöpfung wurde eine solche Gelegenheit geboten. Ein Berg kann nicht auf die nächste Stufe steigen – ein Berg bleibt für immer ein Berg. Der Mensch aber hat die Wahl, sich auf eine höhere Stufe zu begeben und ein wahrer Diener G-tts zu werden. Deshalb hat G-tt das fünfte Element technisch nicht erschaffen, Er hat nur das Potenzial dafür erschaffen. Darum ist es nicht ausdrücklich in den Pessukim erwähnt.

„Machen“ gegenüber „Schaffen“

Obwohl es nicht direkt aufgeführt wird, ist dies in den folgenden Pessukim klar angedeutet:

Und G-tt sagte: „Lasst uns machen einen Menschen in unserem Ebenbild, wie unser Gleichnis; und er soll herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel im Himmel, über das Vieh, über die ganze Erde und alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.“[1]

Im nächsten Passuk[2] fügt die Tora hinzu:

Und G-tt schuf den Menschen in Seinem Ebenbild; im Ebenbild von G-tt hat Er ihn erschaffen; männlich und weiblich hat Er sie erschaffen.

Wozu ist der zweite Passuk nötig, was fügt dieser hinzu?

Wenn wir diese zwei Pessukim analysieren, dann sehen wir, dass der Hauptunterschied folgender ist: Im ersten Passuk wird das Wort „machen“ (Na’aseh) benutzt, während der zweite Passuk das Wort „schaffen“ (Vajiwra) verwendet. Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen „machen“ und „schaffen“. „Machen“ bedeutet, etwas zu verwenden, das bereits existiert und es in Form eines Gegenstandes hervorzubringen. „Schaffen“ heißt, etwas in Existenz zu rufen, das vorher nicht vorhanden war. Der erste Passuk, der vom „machen“ des Menschen handelt – spricht über den Menschen als Kombination von bereits existierenden Elementen. Der zweite Passuk, der die Schaffung des Menschen bespricht, bezieht sich auf den Menschen als eine Erschaffung, etwas ganz Neues.

Ein weiterer Unterschied zwischen diesen Pessukim ist, dass der erste die Pluralform verwendet: „Lasst uns einen Menschen in unserem Ebenbild machen, wie unser Gleichnis.“ Wem befiehlt G-tt, Ihm zu helfen einen Menschen zu machen? Gemäß dem Rambam ist dies die Erde. (Das heißt, „unser Ebenbild“ bezieht sich auf G-tt und die Erde). Der Mensch wurde aus Elementen der Erde gemacht, aus Elementen die früher erschaffen und jetzt zusammengeführt wurden, um einen Mensch zu „machen“. Daher bezieht sich auch „in unserem Ebenbild, in unserem Gleichnis“ auf das G-ttliche „Machen“ des Menschen aus den Elementen der Erde, die früher erschaffen wurden. Der zweite Passuk steht in der Einzahl: „Und G-tt schuf den Menschen in Seinem Ebenbild…“ Hier schafft G-tt alleine den Menschen. Dieses Ebenbild ist nur das von G-tt. Es wurde nicht in Übereinstimmung mit der Erde oder anderen Elementen „gemacht“.

Die Erklärung des Unterschieds

So ist auch klar, dass diese zwei Passuke zwei unterschiedliche menschliche Potenziale erläutern”. Das erste ist der Mensch, der das höchste Geschöpf ist, aber in der irdischen, physischen Welt lebt. Er wurde durch G-tt mit der Erde „gemacht”. Das zweite Potenzial ist das menschliche Wesen – Jisrael -, das G-tt dient. Dieses wurde „geschaffen“ und nicht „gemacht“, denn in Wirklichkeit stammt es aus einer früheren Zeit als die physische Welt und geht darüber hinaus. Es ist nicht ein angeborener Teil der physischen Welt. Ein Diener G-ttes kann nicht durch Zeit oder Raum begrenzt werden; als Diener ist er eine Erweiterung von G-tt und G-tt hat keine zeitliche oder örtliche Grenze.

Adam durfte wählen, was er sein wollte.

Seine Frage war: Wie wähle ich, um mich zu identifizieren? Bin ich eine Schöpfung — obwohl ich ein menschliches Wesen bin, der Höhepunkt der Schöpfung – die nur an der physischen Welt teilnimmt, oder bin ich eine Erweiterung G-ttes? Als das Erstere bin ich eine Schöpfung G-ttes. Als das Zweite werde ich in irgendeiner Art ein Schöpfer von mir selbst. Schlussendlich wurde ich auf der vierten Stufe erschaffen. Ich kann jedoch wählen, ob ich mich auf die fünfte Stufe erheben möchte. Indem ich das tue, schaffe ich mich selbst als neues Wesen. G-tt hat mich nicht auf der fünften Stufe geschaffen, er schuf nur das Potenzial dazu. Wenn ich mich auf die fünfte Stufe erhebe, ist es so, als ob ich mich selbst erschaffen hätte.

Was daraus folgt, ist, dass der Mensch von Anfang an nicht nur als das dominanteste Wesen erschaffen wurde, sondern dass er gleich noch das Potenzial dazu erhielt, um sich auf eine Stufe hinauf zu befördern. Dadurch überschreitet er die „Schöpfung” und verkörpert das wahre G-ttliche Wesen.

Unterschiedliche Ausrichtungen

Was ist der wirkliche Unterschied zwischen der vierten und der fünften Stufe der Schöpfung? Die Ausrichtung zum Physischen. Ist die physische Welt das Endziel der Schöpfung oder gibt es einen noch höheren Zweck? Die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten, macht den ganzen Unterschied. Das erste der 613 Gebote kann zum Beispiel auf zwei Arten werden.

Und G-tt segnete sie (den Mann und die Frau) und G-tt sagte zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehret Euch, und füllt die ganze Welt und unterdrückt sie…[3]

Wörtlich genau genommen bedeutet das G-ttliche Gebot „fruchtbar zu sein und sich zu vermehren“ Kinder zu haben. Darum sagt G-tt der ganzen Menschheit, dass sie sich in den Prozess der Vermehrung der Arten mit einbeziehen sollen und die ganze Welt bewohnen sollen. Dazu gehört auch die Ermahnung, eine gute Ehe zu führen, einen gesunden Körper zu erhalten und aufzubauen und das Leben zu genießen.

Dies ist nur eine Stufe – gemeint für den Menschen als vierte Stufe der Schöpfung.

Für den Mensch auf der fünfte Stufe gibt es eine weitere Bedeutung: sei fruchtbar und vermehre deine guten Taten und fülle die Erde mit diesen.

Unsere Weisen sagen, dass der wahre Nachkomme einer rechtschaffenen Person seine guten und gerechten Taten sind.

Natürlich beinhaltet die fünfte Stufe der Schöpfung auch, Kinder zu haben. Zusätzlich aber übersteigen die Taten des Menschen das Physische; seine physischen Taten produzieren geistige Nachkommen. Darum ist das Ziel des Gerechten die Wiederauferstehung. Sein physischer Körper hat ein geistiges Gegenstück, das für die Wiederauferstehung und für das Leben in der Ewigkeit bestimmt ist.

Die gleichen zwei Stufen existieren auch für das Gebot „die Welt zu füllen und zu unterdrücken“.

Menschen auf der vierten Stufe meinen, das bedeute die Bewirtschaftung von Feldern, der Bau von Autobahnen, das Zähmen der Tiere etc. Für Menschen auf der fünften Stufe bedeutet es, die Erde mit Geistigkeit zu füllen. Mit anderen Worten, wenn man isst, tut man dies nicht nur, um Kraft für die Arbeit zu haben. Man tut es, damit man Kraft hat, um G-tt zu dienen, damit man die Gelegenheit hat, den G-ttlichen Willen zu erfüllen. Ein Mensch auf der fünften Stufe füllt die Welt mit Geistigkeit, weil dies sein Ziel ist.

Der wirkliche Unterschied zwischen Menschen auf der vierten und auf der fünften Stufe ist nicht unbedingt die Handlung selber, denn beide führen die gleichen, irdischen Handlungen durch. Der Unterschied liegt in der Ausrichtung. Der Mensch auf der fünfte Stufe lebt nicht, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um die Bedürfnisses G-ttes zu erfüllen. Dies macht ihn zum Diener G-ttes. Es ißt nicht, um den Wünschen seines Magens nachzukommen, sondern weil er seinem Herrn dienen möchte, dem Schöpfer.

Dem Standard gemäß leben

Dies scheint nur ein einfacher Unterschied zu sein, die Ausführung ist aber schwieriger als man meint, denn der Mensch wird oft geprüft. Oft muss man sich zwischen der Befriedigung der eigenen Wünsche oder dem Verzicht darauf entscheiden, um den Willen G-ttes zu erfüllen. Man muss seinen Willen gegenüber dem Willen G-ttes auflösen, und dies ist immer einfacher gesagt als getan.

Es ist in der Tat so schwierig, dass es 2000 Jahre dauerte, bis ein menschliches Wesen genügend Selbstaufgabe zeigte, um auf die fünfte Stufe zu gelangen. Adam war nicht erfolgreich, wie wir wissen. Er aß vom Baum und handelte direkt gegen G-ttes Willen. Hätte er sich dem G-ttlichen Willen gefügt, hätte er den Namen „Jisrael oved Haschem“ erworben. (Und wenn er so gehandelt hätte, dann wäre jeder, der von ihm abstammt, also die gesamte Menschheit, Jisrael genannt worden). Adam sündigte aber und es dauerte 2000 Jahre, bis ein Mensch kam, der vollkommen bewies, dass er ein wahrer Diener G-ttes ist.

Diese Person war Awrohom.

Darum wurde Awrohom zehn Mal geprüft. Die zehnte Prüfung, die schwierigste von allen, verlangte von ihm, seinen Sohn zu schlachten. Dies war die höchste Prüfung, denn sie zeigte, dass er bereit war, sogar seine legitimen geistigen Bedürfnisse gegenüber dem Willen G-ttes zurückzustellen.“‘

Es gab viele gerechte Personen, die zwischen Adam und Awrohom lebten, aber sie haben nie alles was sie besaßen, ständig geopfert, um den Status der fünften Stufe der Schöpfung zu erwerben. Sie besaßen die Seele mit einem Potenzial für die fünfte Stufe, haben dies aber nie verwirklicht, mindestens nicht so, dass es permanent in ihr Wesen eindrang. Awrohoms Erfolg erlaubte ihm, eine dauernde Stufe für seine Nachkommen festzusetzen. Sie wurden „natürliche Einwohner“ der fünften Stufe. Das höhere Potenzial, die höhere Seele, die seit Adams Zeit von Nachkommen zu Nachkommen wanderte, fand einen dauernden Ruheplatz in Awrohom.

Darum wurden Awrohoms Nachkommen nach weiterer Säuberung und Weiterentwicklung dazu erwählt, die Tora zu empfangen.

Die 613 Gesetze der Tora stellen sicher, dass der Jude seine Seele nach dem Willen G-ttes richtet. Ein solches Gesetzbuch bedeutet unter anderem die Zurückstellung des persönlichen Willens gegenüber dem G-ttlichen Willen, das Opfern gewisser Aspekte des Physischen etc. Diese Opfer identifizieren sie als ununterbrochene Verfechter von Awrohoms Ideal.

Juden sind menschliche Wesen wie Nichtjuden, aber sie unterscheiden sich voneinander wie sich ein Soldat von einem Zivilisten unterscheidet. Alle Bürger eines Landes müssen gewisse Gesetze einhalten, unabhängig von ihrer Hautfarbe, ihrem Geschlecht oder ihrem ethnischen Hintergrund. Gleichzeitig hat jedes Land seine Armee. Woher kommen diese Soldaten? Es sind Freiwillige. Wenn sie sich für die Armee zur Verfügung stellen, nehmen sie strengere Regeln auf sich. Ein Soldat wird schon für kleine Vergehen ins Militärgefängnis gesperrt. So unfair es scheint, macht es Sinn. Ein Soldat muss mehr Disziplin zeigen, denn die Sicherheit des Landes ist von der Armee abhängig.

Awrohom war der erste Freiwillige.

Seine Kinder, das jüdische Volk, wurden die Armee G-ttes. G-tt gab ihnen spezielle Gesetze und Verantwortlichkeiten und auch besondere Vorrechte. Solange sie diese Gesetze einhalten, erhalten sie einen höheren Status verglichen mit den normalen Bürgern. Dies ist keine Bevorzugung, denn jeder kann dieser Armee beitreten, solange er bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen. Dies bedeutet, eine spezielle Verantwortung mit strengeren Gesetzen zu akzeptieren.

Wer diese von G-tt erlassenen Gesetze und Regeln akzeptiert, bringt damit zum Ausdruck, dass er ein Nachkomme Awrohoms ist, der als Erster seinen Willen völlig vor dem G-ttlichen Willen zurückgestellt hat. Darum erhielt er und alle seine legitimen Nachkommen einen Status, der über dem von Adam steht.

Partner gegenüber Angestellten

“Mein Sohn, mein Erstgeborener ist Jisrael.“[4]

G-tt nennt Israel Seinen Sohn. Ein Kind ist die Erweiterung seiner Eltern. Die Eltern „empfangen“ es, erziehen es und bringen es auf den Lebensweg, damit es sein Zeichen in der Welt macht. Das Erstgeborene ist das am meisten „auserwählte“ Kind,; es vertritt am ehesten die Werte der Eltern. Wenn G-tt nun Jisrael Sein Erstgeborenes nennt, dann ist Jisrael die lebende Repräsentation der ursprünglichen Äusserung G-ttes sozusagen des ersten Gedankens G-ttes.

Eine als Jisrael bezeichneten Person verkörpert die Lehre, dass ein menschliches Wesen danach streben kann, ein Partner von G-tt im Prozess der Schöpfung zu werden. Dies ist keine Übertreibung oder Allegorie. Es ist wörtlich gemeint und hat mindestens die gleichen Auswirkungen wie jede menschliche Partnerschaft, so wie es im jüdischen Gesetz erklärt ist.

Dieses Gesetz, der Schulchan Oruch (Choschen Mischpat), hat mehrere Kapitel über Partnerschaften.

Wir lernen von diesen, dass ein Partner in mehreren Punkten anders ist als ein Angestellter. Wenn z.B. ein Angestellter Ware im Wert von 100 Dollar für 50 Dollar verkauft, kann der Arbeitgeber diese Transaktion nach dem jüdischen Gesetz rückgängig machen. Ein Angestellter hat kein Recht, einen Preis ohne das Einverständnis seines Vorgesetzten abzumachen. Bei einem Partner dagegen sagt der Schulchan Oruch: Schutaf mah Sche’asa Asui, was immer ein Partner macht, ist rechtsgültig. Wenn Ihr Partner einen Fehler macht und Ware im Wert von 100 Dollar für 50 Dollar verkauft, kann diese Transaktion nicht rückgängig gemacht werden.

Der erste Unterschied zwischen einem Angestellten und einem Partner ist also, dass der Fehler eines Angestellten die Transaktion nicht endgültig beeinflusst. Andererseits gilt, was ein Partner auch immer macht. Seine Tätigkeiten, seien sie gut oder schlecht, ändern das Geschäft selbst. Das Gleiche gilt für das “Geschäft” namens Schöpfung. Wir sind Partner von G-tt und unser Beitrag zu dieser Partnerschaft hat direkten Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg dieses „Geschäfts”.

Eine andere Eigenschaft einer Partnerschaft ist, dass der eine Partner etwas Einzigartiges und Lebenswichtiges beiträgt, das der andere Partner nicht kann.

Zum Beispiel treffen wir in einem Geschäft oft einen Verkäufertyp mit einem Partner, der auf die Herstellung des Produkts spezialisiert ist. Oder man findet einen Partner, der das größere Umfeld sieht, während der andere sich in allen Details auskennt. Jeder dieser Partner ist für den anderen mehr als nur ein Angestellter. Jeder leistet einen kreativen Beitrag zu einer lebenswichtigen Funktion, ohne die das ganze Geschäft nicht funktionieren würde.

Das Gleiche gilt auch für jeden, der ein Partner G-ttes ist. Unser Beitrag ist etwas, das G-tt alleine nicht machen kann. (Natürlich kann G-tt kann alles machen. Er hat aber die Welt so erschaffen, dass er sich freiwillig in einem bestimmten Ausmaß limitiert. Er machte dies, damit seine potenziellen Partner eine Gelegenheit haben, einen eigenen lebenswichtigen Beitrag zu leisten. G-tt hinterließ einen unfertigen Platz, an dem nur seine Partner die Arbeit machen können. Es ist deshalb einem Menschen tatsächlich möglich, etwas zu machen, was G-tt nicht kann.) Dies ist kurz gesagt, die Idee, ein Partner G-ttes zu werden.

Die Wahl Adams

Dies erklärt auch die wichtige Wahl, die Adam treffen musste: ob er ein Angestellter oder ein Partner sein möchte. Jeder Mensch sollte mindestens die Verantwortung haben, ein Angestellter G-ttes zu sein, dessen Arbeit es ist, an der Entwicklung der Schöpfung teilzunehmen. Darüber hinaus hat jeder Mensch aber die Möglichkeit, sich freiwillig zum Partner befördern zu lassen. Diese Wahl wurde Adam gegeben. Er wurde als „Angestellter“ erschaffen und erhielt die Gelegenheit, sich zum Partner zu befördern. Er hat diese Gelegenheit nicht wahrgenommen, wie wir später im Detail erläutern werden.

Obwohl Adam diese Gelegenheit verpasst hat, blieb sie der Menschheit dank den Bemühungen von Awrohom nicht unwiderruflich verloren. Awrohom hat nicht nur für sich selber, sondern für alle seine Nachkommen, das jüdische Volk, den Status eines ewigen Partners G-ttes erworben. Ein Jude ist als Partner G-ttes geboren. Der Nichtjude hat auch einen Zweck, einen sehr wichtigen Zweck. Er erhält Belohnungen auf dieser und der zukünftigen Welt für gute Taten (und sogar Prämien für außerordentliche Taten). Er ist aber ein Angestellter. Er hat aber die Möglichkeit, sich zu einem Partner zu befördern, wenn er bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen. Andernfalls bleibt er ein Angestellter.

Ein Jude, andererseits, ist ein Partner, ob er möchte oder nicht.

Er ist der erstgeborene Sohn seines Vorgesetzten und hat die Partnerschaft im Geschäft geerbt. Seine Bemühungen beeinflussen daher direkt das Geschäft namens „Schöpfung“. Seine Leistung wird daher nicht wie die Leistung eines Angestellten gewichtet, der Jude nimmt direkt am Gewinn oder Verlust Teil. Schlussendlich ist der Status eines Partners aber ein Vorteil. Es gibt kein höheres Ideal, das angestrebt werden kann.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Awrohom das Potenzial[5] erfüllte, das Adam gegeben wurde. Er ist der richtige Adam, der Adam, der Adam nie wurde. Deshalb sagen die Weisen, dass es wegen Awrohom Wert war, die Welt zu erschaffen. Er war das menschliche Wesen, an das G-tt sozusagen dachte, als er die Welt erschuf.

Fortsetzung folgt ijH

  1. Bereschit 1,26
  2. 1,27
  3. Bereschit 1,28
  4. Schemot 4,22
  5. Das im zweiten Passuk beschrieben ist 1,27

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