So wie im Himmel, so auf der Erde – Teil 7 – Das g“ttliche Ebenbild

Datum: | Autor: Rabbi Ezriel Tauber SZl | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
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Rabbi Ezriel Tauber SZl – L’ilui nischmat Hamechaber
Fortsetzung

Das g“ttliche Ebenbild

Inhalt:

  • Die Schöpfung des Menschen
  • Ein menschliches Geschöpf als Baum
  • Das höhere Ziel des menschlichen Lebens
  • Was es bedeutet, G“tt zu dienen
  • Die Bedeutung von Israel
  • Partner G“ttes
  • Wie Abraham das Potenzial verkörpern konnte, das Adam nie erreichte.

Alles in der Tora bezweckt, uns etwas Wichtiges zu lehren. Die Tora erzählt uns, dass G“tt am dritten Tag der Schöpfung die Bäume und die Vegetation schuf. Welche wichtige Bedeutung hat diese Information? Der Schlüssel zur Antwort auf diese Frage wird später gegeben, wenn die Tora das menschliche Wesen «einen Baum im Feld» nennt.

Der Baum, der Mensch - das G"ttliche Ebenbild

Eine der tieferen Bedeutungen der Erzählung der Schaffung der Bäume ist, uns den Aufbau des menschlichen Wesens zu lehren. Ein Mensch ist ein Baum. Ein Baum ist ein Baumstamm aus Holz mit Wurzeln in der Erde, die Mineralien aufnehmen, um sie in eine Frucht zu verwandeln. So ist auch der Mensch. Wir sind ein Stück Himmel – eine Seele – verwurzelt wie ein Baumstamm – ein Körper in der Erde, dessen Aufgabe es ist, Kraft aus den irdischen, geistigen “Mineralien zu schöpfen, um Früchte hoch oben in den Zweigen zu produzieren. Das heisst, dass wir hier sind, um die physischen Aspekte unserer materiellen Existenz in geistige Nebenprodukte umzuwandeln.

Die Tora sagt uns deshalb, dass wir ein physisches Leben führen sollen – essen, heiraten, arbeiten, eine Familie aufbauen etc. Dies ist keine Konzession an die menschliche Natur; es ist vielmehr das Mittel, mit dem wir unseren Zweck hier erfüllen: die irdische, physische und menschliche Existenz und Erfahrung in eine Reihe von himmlischen Taten (unsere Fruchte) zu verwandeln.

Wir sind wirklich “Bäume des Feldes“.

Die tiefere Lehre des dritten Tages ist, dass wir himmlische, in der Erde verwurzelte Seelen sind, mit dem Ziel, Irdisches in Himmlisches umzuwandeln. So wie im Himmel, so auf der Erde. Diese Lehre wird noch deutlicher, wenn wir die Verse der Schöpfung des Menschen analysieren.

Das fünfte Element

Der Schöpfer hat die Welt in Phasen erschaffen. Er begann mit leblosen Objekten (zweiter Tag), schuf dann die Vegetation (dritter Tag), danach tierisches Leben (vierter und fünfter Tag) und schliesslich den Menschen. (In Hebräisch: Domem, Zomeach, Chai, Medaber).

DomemZomeach Chai Der Mensch - das G"ttliche Ebenbild

In diesem Schema ist der Mensch die höchste Komponente der Schöpfung. Rabbi Jehuda HaLevi, der Autor des Kusari, fügt aber eine weitere Komponente dazu:

Israel, das G“tt dient.

Eigentlich wird diese fünfte Komponente nicht ausdrücklich am sechsten Tag der Schöpfung erwähnt, weil Israel nicht automatisch das fünfte Element durch die Schöpfung war. G“tt gab vielmehr der Menschheit, dem vierten Element, die Gelegenheit, sich selbst ins fünfte Element zu befördern. Niemandem sonst in der Schöpfung wurde eine solche Gelegenheit geboten. Ein Berg kann nicht auf die nächste Stufe steigen – ein Berg bleibt für immer ein Berg. Der Mensch aber hat die Wahl, sich auf eine höhere Stufe zu begeben und ein wahrer Diener G“tts zu werden. Deshalb hat G“tt das fünfte Element technisch nicht erschaffen, Er hat nur das Potenzial dafür erschaffen. Darum ist es nichtausdrücklich in den Versen erwähnt. «Machen» gegenüber «Schaffen».

Obwohl es nicht direkt aufgeführt wird, ist dies in den folgenden Versen klar angedeutet:

Und G“tt sagte: “Lasst uns machen einen Menschen in unserem Ebenbild, wie unser Gleichnis; und er soll herrschen über die Fische des Meeres, über die Vögel im Himmel, über das Vieh, über die ganze Erde und alle Kriech-tiere, die auf der Erde kriechen.“ (Genesis 1:26). Im nächsten Vers (1:27) fügt die Tora hinzu:

Und G“tt schuf den Menschen in Seinem Ebenbild; im Ebenbild von G“tt hat Er ihn erschaffen; männlich und weiblich hat Er sie erschaffen.

Wozu ist der zweite Vers nötig, was fügt dieser hinzu? Wenn wir diese zwei Verse analysieren, dann sehen wir, dass der Hauptunterschied folgender ist: Im ersten Vers wird das Wort “machen“ (Na’aseh) benutzt, während der zweite Vers das Wort “schaffen“ (Vajiwra) verwendet. Ergibt einen wichtigen Unterschied zwischen “machen“ und “schaffen“. “Machen“ bedeutet, etwas zu verwenden, das bereits existiert und es in Form eines Gegenstandes hervor-zubringen. “Schaffen“ heisst, etwas in Existenz zu rufen, das vorher nicht vorhanden war. Der erste Vers, der vom “machen“ des Menschen handelt – spricht über den Menschen als Kombination von bereits existierenden Elementen. Der zweite Vers, der die Schaffung des Menschen bespricht, bezieht sich auf den Menschen als eine Erschaffung, etwas ganz Neues.

Ein weiterer Unterschied zwischen diesen Versen ist, dass der erste die Pluralform verwendet:

“Lasst uns einen Menschen in unserem Ebenbild machen, wie unser Gleichnis.“ Wem befiehlt G“tt, Ihm zu helfen einen Menschen zu machen? Laut Rambam ist dies die Erde. (Das heisst, “unser Ebenbild“ bezieht sich auf G“tt und die Erde). Der Mensch wurde aus Elementen der Erde gemacht, aus Elementen die früher erschaffen und jetzt zusammengeführt wurden, um einen Mensch zu “machen“. Daher bezieht sich auch “in unserem Ebenbild, in unserem Gleichnis“ auf das G“ttliche “Machen“ des Menschen aus den Elementen der Erde, die früher erschaffen wurden. Der zweite Vers steht in der Einzahl: “Und G“tt schuf den Menschen in Seinem Ebenbild.“ Hier schafft G“tt alleine den Menschen. Dieses Ebenbild ist nur das von G“tt. Es wurde nicht in Übereinstimmung mit der Erde oder anderen Elementen “gemacht“.

Die Erklärung des Unterschieds

So ist auch klar, dass diese zwei Verse zwei unterschiedliche menschliche Potenziale erläutern. Das erste ist der Mensch, der das höchste Geschöpf ist, aber in der irdischen, physischen Welt lebt. Er wurde durch G“tt mit der Erde “gemacht‘“. Das zweite Potenzial ist das menschliche Wesen – Israel -, das G“tt dient. Dieses wurde “geschaffen” und nicht “gemacht“, denn in Wirklichkeit stammt es aus einer früheren Zeit als die physische Welt und geht darüber hinaus. Es ist nicht ein angeborener Teil der physischen Welt. Ein Diener G“ttes kann nicht durch Zeit oder Raumbegrenzt werden; als Diener ist er eine Erweiterung von G“tt und G“tt hat keine zeitliche oder örtliche Grenze.

Adam durfte wählen, was er sein wollte.

Seine Frage war: Wie wähle ich, um mich zu identifizieren? Bin ich eine Schöpfung — obwohl ich ein menschliches Wesen bin, der Höhepunkt der Schöpfung – die nur an der physischen Weltteilnimmt, oder bin ich eine Erweiterung G“ttes? Als das Erstere bin ich eine Schöpfung G“ttes. Als das Zweite werde ich in irgendeiner Art ein Schöpfer von mir selbst. Schluss-endlich wurde ich auf der vierten Stufe erschaffen. Ich kann jedoch wählen, ob ich mich auf die fünfte Stufe erheben möchte. Indem ich das tue, schaffe ich mich selbst als neues Wesen. G“tt hat mich nicht auf der fünften Stufe geschaffen, er schuf nur das Potenzial dazu. Wenn ich mich auf die fünfte Stufe erhebe, ist es so, als ob ich mich selbst erschaffen hätte.

Was daraus folgt ist, dass der Mensch von Anfang an nicht nur als das dominanteste Wesen erschaffen wurde, sondern dass er gleich noch das Potenzial dazu erhielt, um sich auf eine Stufe hinauf zu befördern. Dadurch über-schreitet er die “Schöpfung“ und verkörpert das wahre g“ttliche Wesen.

Unterschiedliche Ausrichtungen

Was ist der wirkliche Unterschied zwischen der vierten und der fünften Stufe der Schöpfung? Die Ausrichtung zum Physischen. Ist die physische Welt das Endziel der Schöpfung oder gibt es einen noch höheren Zweck? Die Art und Weise, wie wir die Welt betrachten, macht den ganzen Unterschied. Das erste der 613 Gebote kann zum Beispiel auf zwei Arten verstanden werden.

Und G“tt segnete sie (den Mann und die Frau) und G“tt sagte zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehret Euch, und füllt die ganze Welt und unterdrückt sie… (Genesis 1:28). Wörtlich genau genommen bedeutet das g“ttliche Gebot “fruchtbar zu sein und sich zu vermehren“ Kinder zu haben. Darum sagt G“tt der ganzen Menschheit, dass sie sich in den Prozess der Vermehrung der Arten mit einbeziehen sollen und die ganze Welt bewohnen sollen. Dazu gehörtauch die Ermahnung, eine gute Ehe zu führen, einen gesunden Körper zu erhalten und aufzubauen und das Leben zu geniessen.

Dies ist nur eine Stufe – gemeint für den Menschen als vierte Stufe der Schöpfung.

Für den Mensch auf der fünfte Stufe gibt es eine weitere Bedeutung: sei fruchtbar und vermehre deine guten Taten und fülle die Erde mit diesen. Unsere Weisen sagen, dass der wahre Nachkomme einer rechtschaffenen Person seine guten und gerechten Tatensind.”

Natürlich beinhaltet die fünfte Stufe der Schöpfung auch, Kinder zu haben. Zusätzlich aber übersteigen die Taten des Menschen das Physische; seine physischen Taten produzieren geistige Nachkommen. Darum ist das Ziel des Gerechten die Wiederauferstehung.” Sein physischer Körper hat ein geistiges Gegenstück, das für die Wiederauferstehung und für das Leben in der Ewigkeit bestimmt ist.

Die gleichen zwei Stufen existieren auch für das Gebot “die Welt zu füllen und zu unterdrücken“.

Menschen auf der vierten Stufe meinen, das bedeute die Bewirtschaftung von Feldern, der Bau von Autobahnen, das Zähmen der Tieren etc. Für Menschen auf der fünften Stufe bedeutet es, die Erde mit Geistigkeit zu füllen. Mit anderen Worten, wenn man isst, tut man dies nicht nur, um Kraft für die Arbeit zu haben. Man tut es, damit man Kraft hat, um G“tt zu dienen, damit man die Gelegenheit hat, den g“ttlichen Willen zu erfüllen. Ein Mensch auf der fünften Stufe füllt die Welt mit Geistigkeit, weil dies sein Ziel ist.

Der wirkliche Unterschied zwischen Menschen auf der vierten und auf der fünften Stufe ist nicht unbedingt die Handlung selber, denn beide führen die gleichen, irdischen Handlungen durch. Der Unterschied liegt in der Ausrichtung. Der Mensch auf der fünfte Stufe lebt nicht, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, sondern um die Bedürfnisses G“ttes zu erfüllen. Dies macht ihn zum Diener G“ttes. Es isst nicht, um den Wünschen seines Magens nachzukommen, sondern weil er seinem Herrn dienen möchte, dem Schöpfer.

Fortsetzung folgt ijH.

Zusammengestellt durch Yaakov Astor, Ins Deutsche übersetzt durch David Halonbrenner, überarbeitet durch Rolf Halonbrenner und Clarisse Pifko

Mit ausdrücklicher Erlaubnis des Copyrightinhabers Juefo.com. Das Sefer kann unter info@juefo.com bestellt werden.

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