Der lichtspendende Leuchter – Die Grösse der Tora

Datum: | Autor: Rabbi Jitzchak Abuaw SZL | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
Tora
Verarbeitet und übersetzt von Rabbiner Dr. S. Bamberger SZL
Rabbi Jitzchak Abuaw SZL war einer der Rischonim von Chachmei Sfarad, der am Anfang des 14. Jahrhunderts der allg. Zeitrechnung lebte. Wir publizieren ausgewählte Auszüge aus seinem berühmten Werk “Menorat Hamaor” – “Der lichtspendende Leuchter.”

Die Tora ist das Licht der Welt, und die sich mit ihr beschäftigen, erleuchten die Welt.

[1]R. Menachem b. R. Jose erklärte den Vers, [2]“das Gebot ist eine Leuchte, die Tora ist das Licht.” Eine Leuchte ist nicht für immer, wie ein Gebot nicht für immer schützt, aber das Licht hört nie auf, so auch die Tora.

[3]Der König Herodes hatte alle Gelehrten getötet bis auf Baba b. Buta, ihn hatte er verschont, um sich mit ihm zu beraten, doch hatte er ihm mit einer Igelhaut das Augenlicht blenden lassen. Einmal besuchte er ihn, ohne sich zu erkennen zu geben, und sagte zu ihm, bedenke, wieviel Unheil dieser nichtswürdige Sklave (Herodes) schon angerichtet hat!

Baba b. Buta erwiderte-, was soll ich tun! —- Verwünsche ihn. —- Das darf ich nicht, denn in der Schrift steht, [4]“selbst vor deinem Freund fluche nicht dem König.” —- Er ist kein König. —- Wenigstens ist er reich, und es heißt weiter, in deinem Schlafgemach verwünsche nicht den Reichen, ferner [5]“einem Fürsten in deinem Volke fluche nicht”. —- Nur wenn er die Pflicht dem Volke gegenüber erfüllt; das tut er aber nicht. —- Ich fürchte mich, es könnte es jemand hören und dem König verraten. —- Jetzt ist niemand da. —- Es heißt aber dort, der Vogel des Himmels trägt die Stimme weiter, und der Befiederte erzählt das Wort. —- Da sagte Herodes, hätte ich gewußt, daß ihr so gewissenhaft seid, so hätte ich euch nicht getötet. Wie kann ich es wieder gutmachen? —- Du hast das Licht der Welt ausgelöscht, so beschäftige dich mit dem Lichte der Welt.

Das Licht der Welt sind die Gelehrten, und das Licht der Welt wird das Heiligtum genannt, [6]zu ihm wenden sich wie zum Lichte alle Völker”.

[7] [8] ”Wenn ihr das ganze Gebot hüten werdet, das Ich euch befehle, es zu tun, den Ewigen, eueren Gott, zu lieben, in allen Seinen Wegen zu gehen und Ihm anzuhangen”. Bar Kapra sagt, die Seele und die Tora werden mit dem Licht verglichen, [9]ein Licht des Ewigen ist die Seele des Menschen”, [10]eine Leuchte ist das Gebot, und die Tora ist das Licht, und der Heilige, gelobt sei Er, spricht zum Menschen: Mein Licht ist in deiner Hand und dein Licht in der Meinigen; wenn du Mein Licht hütest, werde Ich auch das deinige bewachen; wenn du Mein Licht auslöschst, werde Ich es auch dem deinigen tun.

[11] [12]“Der Ewige wird dir Sein Antlitz leuchten lassen und dir gnädig sein”, darunter ist das Licht der Tora zu verstehen.

[13] [14]“Wie süß ist das Licht für die Augen”, R. Jizchak erklärt, wie süß ist das Licht der zukünftigen Welt; heil dem Menschen, der gute Werke besitzt, daß er jenes Licht schauen darf, von dem es heißt, “die Ihn lieben sind gleich dem Sonnenaufgang in seiner Kraft.” R. Abba sagt, das süße Licht sind die Worte der Tora.

[15](Spr. 6, 20) “Hüte, mein Sohn, das Gebot deines Vaters und verlasse nicht die Lehre deiner Mutter; binde sie für immer auf dein Herz, schmücke mit ihnen deinen Hals. Auf deiner Wanderung geleitet sie dich, wenn du dich niederlegft, wacht sie über dir.” R. Meir erklärt, erwirb dir einen Lehrer, daß du in seinem Lichte gehest. —- Ebenso in [16]Midrasch Kohelet, bevor die Sonne dunkel wird, das ist das Reich des Hauses David, so[17], sein Thron ist gleich der Sonne vor mir, und das Licht, das ist die Tora, der Mond ist das Sanhedrin, gleich dem Mond besteht es in Ewigkeit, die Sterne sind die Gelehrten, die Erzieher der Gemeinde sind den Sternen gleich immer und ewig.

Die Tora enthält die Vorzüge alles Guten auf Erden, darum wird sie mit den verschiedenen Kostbarkeiten verglichen.

[18]sie ist teurer als Perlen, [19]ihr kommen nicht Gold und Edelglas gleich. [20]Der abtrünnige Acher fragte R. Meir, warum wird die Tora mit Gold und Glas verglichen? —- Sie ist schwer zu erwerben wie Goldgerät und Geschmeide und leicht zu verlieren wie sprödes Glas, antwortete R. Meir — Warum heißt es dann nicht, wie Tongerät, das noch leichter zerbricht? Dein Lehrer R. Akiwa hat darum anders gesagt, wie ein Glasgesäß, wenn es zerbricht, im Schmelzofen wieder erneuert werden kann, so gibt es auch sür einen entarteten Toragelehrten immer noch eine Hoffnung durch die Rückkehr —- O, so befolge auch du, sprach da R. Meir zu dem tiefgesimkenen Mann, diese Lehre und hoffe auf die Gnade des Ewigen. —- Acher aber erwiderte, was mich betrifft, so habe ich einen Ruf vom Himmel gehört, “kehret um, verirrte Kinder”, außer Acher!

[21]Besser ist ihr Markt als der des Silbers und feines Gold ihr Ertrag. [22]Besser ist meine Frucht als gleißendes Gold und mein Ertrag als ausgesuchtes Silber. —- Wie das Wasser zur Erhaltung alles Lebens nötig ist, so die Tora; darum [23]“all ihr Durstigen geht zum Wasser”.

[24]R Chanilai b. Idi, warum werden die Worte der Tora mit dem Wasser verglichen?

Wie das Wasser die Höhen verläßt und die Tiefen aufsucht, so auch verschmäht die Tora die Hochmütigen und kehrt bei den Bescheidenen ein. Auch mit Wein und Milch wird die Tora im Schriftvers verglichen. R. Oschaja, worin gleicht die Tora dem Wasser, dem Wein und der Milch? Wie sich diese nur in gewöhnlichen Ton- und Holzgefäßen halten, so hat auch die Tora nur bei denen Bestand, die sich selbst erniedrigen. Die Tochter eines römischen Kaisers sagte zu R. Jehoschua b. Chananja, dessen äußere Erscheinung ihr nicht gefiel, bei dir ist köstliche Weisheit in einem häßlichen Gefäß.

Er antwortete ihr, meine Tochter, liegt denn nicht auch der Wein in irdenen Gefäßen? Sie fragte-, worin sollte er denn aufbewahrt werden? —- Bei Vornehmen wie ihr müßte er in Vasen aus Gold und Silber ruhen. — Sie erzählte es ihrem Vater, und er ließ den Wein in goldene und silberne Krüge füllen; doch nach kurzer Zeit war er sauer geworden. — Der Kaiser machte R. Jehoschua Vorwürfe; er sagte, wie sie zu mir, gesprochen, so habe ich ihr erwidert. —- Es gibt aber doch auch schöne Menschen, die Weisheit besitzen? —- Er sprach, wenn sie häßlich wären, so wären sie noch weiser. —- Ferner gilt von jenen drei Getränken, Wasser, Wein und Milch, daß sie immer wohl verwahrt sein müssen, um nicht durch Schlangengift ungenießbar zu werden; dasselbe kann man auch von der Tora sagen, wer seine Aufmerksamkeit von den Worten der Tora abwendet, dem gehen sie verloren.

[25]Wenn ihr hören, hören werdet auf meine Gebote, erklärt R. Judan, wer auf die Stimme der Tora in dieser Welt hört, wird das Glück haben jene Stimme zu vernehmen, von der es heißt, Stimme der Wonne und Stimme der Freude.

Mosche sagte zu Jisrael, wer auf die Worte der Tora hört, wird in zwei Welten erhöht, darum höret und höret!

Die Tora wird mit dem Öl verglichen, wie dieses vor der Reise bitter schmeckt, dann aber süß wird, so muß sich der Mensch zunächst abmühen, die Tora zu erwerben, zuletzt aber bringt sie ihm Gutes, [26]dein Anfang wird gering sein, dein Ende aber sehr süss.

Das Öl erleuchtet die Welt, so die Tora; das Öl vermischt sich nicht mit anderen Getränken, so geht Jisrael nicht auf in der Mitte der Völker; denn [27]“Ich schied euch aus von den Völkern, Mir zu sein.” Das Öl wird immer oben sein, auch wenn du andere Flüssigkeiten darauf gießt, so bleibt Jisrael das höchste Volk, [28]der Ewige-, dein Gott, macht dich zum höchsten über alle Völker der Erde.

Dem Wasser gleicht die Tora, wie jenes unentgeltlich zu erhalten ist, so auch die Tora.

[29]R. Jochanan zum Vers [30]wer den Feigenbaum wartet, wird dessen Frucht genießen; warum wird die Tora mit einem Feigenbaum verglichen, wie diesen der Mensch nachsiebt und immer frische Früchte an ihm findet, so forscht man in der Tora und findet immer neue Wahrheiten in ihr.

[31]Raba, [32]in den Nußgarten bin ich hinabgestiegen; die Tora gleicht der Nuß, wie diese, in

den Staub geworfen, im Inneren rein bleibt, so bleibt auch bei einem Gelehrten seine Torakenntnis unangetastet.

[33]R. Jochanan … [34]ihre Brust erquickt dich zu jeder Zeit; wie der Säugling an der Mutterbrust stets neue Labung findet, so der in der Tora forscht. Der Liebe zu ihr gib dich sorglos hin, wie man von R. Elasar b. Pedat erzählt, wenn er aus dem unteren Markt von Zippori saß und Tora lernte, hatte er seinen Mantel auf dem oberen Markte gelassen. R. Jizchak b. Elasar sagt, einmal wollte jemand den Mantel wegnehmen, da hatte sich eine Schlange um ihn herumgelegt.

Groß ist das Lernen, es führt zur Erfüllung der Pflicht. [35]

R. Tarfon und die Lehrer waren in dem oberen Saale von Bet Nitsa in Lud versammelt. Da wurde die Frage erörtert, ob das Lernen oder das Tun größer sei. R. Tarfon begann, die Tat ist größer, R. Akiwa aber sprach, das Lernen, und alle stimmten ihm zu, denn das Lernen führt zur Tat.

R. Jose sagt, das Lernen begann vierzig Jahre früher, ehe man anfing, Challa abzusondern, (während der vierzigjährigen Wüstenwanderung), und vierundfünszig vor der Abgabe von Heben und Zehnten, die erst nach den vierzehn Jahren der Einnahme und Verteilung des Landes begann, einundsechzig Jahre vor den Erlaßjahren und 103 vor dem ersten Jowel-Jahre. Und wie zeitlich, so auch im Gericht nach dem Tode geht das Lernen der Ausführung voran. Denn R. Hamenuna sagt, die erste Frage, die einst an den Menschen gerichtet wird, betrifft das Lernen, [36]die Vernachlässigung der dem Wasser gleichenden Tora ist der Beginn der Zurechtweisung. Und auch der Lohn dafür kommt früher, [37]Er gibt ihnen Länder der Völker, und den Fleiß der Nationen erwerben sie, damit sie Seine Satzungen hüten und Seine Lehren bewahren.

Die Krone der Tora ist die vorzüglichste. [38]

Ein Kohen hat den Vorrang vor einem Levi, dieser vor einem Jisrael, dann folgen Mamser (in einer mit Ausrottung bestraften Verbindung Erzeugter), Netin (Nachkomme der Gibeoniten), Proselyt, freigelasfener Sklave. Wann gilt diese Reihensolge? Nur wenn sie alle an Wissen gleich sind; wenn aber ein Mamser Tora gelernt hat, und der Hohepriefter ist ein unwissender, so hat der Mamser den Vorrang vor dem Hohenpriester. – So geht, sagt R. Chanina, aus dem Schriftvers hervor (Spr. Z, 15); sie ist kostbarer als wohlverwahrte Schätze-, kostbarer als der Hohepriefter, der in das wohlverwahrte Allerheiligste hineingehen darf.

Titelblatt des Amsterdamer Drucks von “Menorat Hamaor”

  1. Sota 21a
  2. Mischle 6, 23
  3. Bawa batra 4a
  4. Kohelet 11, 20
  5. Schmot 22, 27
  6. Jeschaja 2, 2
  7. Wajikra Rabba
  8. Dwarim 11, 22
  9. Mischle 20, 27
  10. Mischle 6, 23
  11. Sifre
  12. Num. 6, 25
  13. Midrasch
  14. Kohelet. 11, 7
  15. Midrasch Mischle
  16. Midrasch Kohelet 12, 2
  17. Tehillim 89, 37
  18. Mischle 3,15
  19. Job 28, 17
  20. Chagiga15a
  21. Mischle 3,14
  22. Mischle 8,19
  23. Jeschaja 55,1
  24. Taanit 7
  25. Dwarim Rabba
  26. Job 8, 7
  27. Schmot 20, 26
  28. Dwarim 28,1
  29. Eruwin 54a
  30. Mischle 27, 18
  31. Chagiga 15b
  32. Schir 6,11
  33. Erubin 54b
  34. Mischle 5, 19
  35. Kiddusch. 40b
  36. Mischle 17,14
  37. Tehillim 10,44
  38. Horiot13a

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