Wochenabschnitt Wajigasch – Was sind eigentlich חוקים?

Datum: | Autor: Rav Schimschon Raphael Hirsch | Drucke diesen Beitrag Drucke diesen Beitrag
חוקים

וְאָכְלוּ אֶת חֻקָּם -sie aßen das ihnen Bestimmte. Was sind eigentlich חוּֽקִּים?

מז (כב) רַק אַדְמַת הַכֹּהֲנִים לֹא קָנָה כִּי חֹק לַכֹּהֲנִים מֵאֵת פַּרְעֹה וְאָכְלוּ אֶת חֻקָּם אֲשֶׁר נָתַן לָהֶם פַּרְעֹה עַל כֵּן לֹא מָכְרוּ אֶת אַדְמָתָם.

Kap. 47,22: Nur den Boden der Priester kaufte er nicht: denn die Priester hatten ein Festgesetztes von Pharao, sie aßen das ihnen Bestimmte, welche ihnen Pharao gab; darum verkauften sie ihr Land nicht.

Hier wird das Wort חֹק als etwas von Pharao Festgesetztes verwendet, das den Priestern zu Gute kam. Gewöhnlich wird חֹק‎ aber als eine Beschränkung, die einmal grundlos festgesetzt wurde, aufgefasst. Sowohl die Bedeutung „Beschränkung“ als auch die Bedeutung „grundlos“ passen für den Begriff חֹק, wie er in unserem Passuk verwendet wird, nicht.

Das Wort bedeutet in Wirklichkeit sowohl von seiner Abstammung her, als auch von der Anwendung in תנ“ך ‎ gerade das Gegenteil. חֹק sind diejenigen Mittel oder Gesetze, die eine Person oder eine Sache für ihre Existenz absolut benötigt, ohne die sie nicht existieren kann. Je nach den Bedürfnissen oder nach den Aufgaben einer Person sind חֻקִּים für diese Person unerlässliche Bedingungen oder Mittel zur Erfüllung der Bedürfnisse oder Aufgaben. So Mischlej 30,8: הֲטְרִפֵנִי לֶחֶם חֻקִּי Gib mir die für meine Existenz notwendige – und von Dir G-tt mir zugewiesene – Nahrung. So bedeutet auch hier חֹק לַכֹּהֲנִים, die für den Unterhalt der Priester erforderlichen Mittel.

So sind denn auch die חֻקִּים (Gesetze der Tora) unsere sittliche Nahrung.

G-tt hat die ‏ חֻקִּיםin tiefer Weisheit der Natur unseres Wesens und unserer Bestimmung angepasst. So wie die Bedürfnisse des Körpers aufgrund seiner Natur die Einhaltung gewisser Gesetze und die Zufuhr gewisser Stoffe fordern, so erfordern die Bedürfnisse der jüdischen נְשָׁמָה (Seele) aufgrund ihrer G-ttlichen Natur, und zur Erfüllung ihrer Aufgabe, die Einhaltung gewisser Gesetze – der חֻקִּים.

חֻקִּים sind somit von G-tt auf unser jüdisches Wesen und unsere jüdische Natur zugeschnittene, unerlässliche Maßnahmen, welche es uns ermöglichen, unsere hohe Aufgabe zu erfüllen. חֻקִּים sind nicht einfach grundlose Einschränkungen sondern unerlässliche Hilfsmittel und Schutzmaßnahmen. Es sind dies in erster Linie die Gesetze der Sittlichkeit und Heiligung des körperlichen Lebens, wie die Ehegesetze (עֲרָיוֹת), die Gesetze der Reinheit (טֻמְאָה וְטָהֳרָה) und die Gesetze der erlaubten und verbotenen Speisen (מַאֲכָלוֹת אֲסוּרוֹת).‎

Die Versorgung der ägyptischen Priester und unserer Kohanim

מז (כב) רַק אַדְמַת הַכֹּהֲנִים לֹא קָנָה כִּי חֹק לַכֹּהֲנִים מֵאֵת פַּרְעֹה וְאָכְלוּ אֶת חֻקָּם אֲשֶׁר נָתַן לָהֶם פַּרְעֹה עַל כֵּן לֹא מָכְרוּ אֶת אַדְמָתָם.

‎Kap. 47,22: Nur den Boden der Priester kaufte er nicht; denn die Priester hatten ein Festgesetztes von Pharao, sie aßen das ihnen Bestimmte, welches ihnen Pharao gab, darum verkauften sie ihr Land nicht.

In Kreisen, die unserer Tora fernstehen, wird immer wieder behauptet, Mosche hätte „seine“ ganze staatliche und religiöse Weisheit von den Ägyptern erlernt und darauf „seine“ Lehre aufgebaut. Diese Pesukim zeigen das Gegenteil. Die ägyptischen Priester hatten eigenen Boden, waren nach der Hungersnot die einzigen Landbesitzer und hatten außerdem ein festgesichertes Staatseinkommen (חֹק). Unsere כֹּהֲנִים hatten keinen Boden und kein gesichertes Einkommen aus Staatsmitteln. Sie waren vielmehr mit ihrer Existenz auf den guten Willen und die Achtung der Einzelnen angewiesen. Wäre מֹשֶׁה רַבֵּינוּ, unser Lehrer Mosche, der „Religionsgründer Moses“ gewesen, er hätte für seinen Stamm ganz anders gesorgt!

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